Zwergdommel im Schilf.

Geduldige Jäger

22.07.2026

Mit Blick nach unten schreiten sie langsam am Ufer von Teichen, Flüssen und Seen entlang. Hie und da verharren sie regungslos, bis sie eine ahnungslose Beute blitzschnell mit ihrem langen, dolchartigen Schnabel packen. Der Graureiher ist der bekannteste Vertreter dieser Vogelgruppe, doch auch weitere Reiherarten sind am Klingnauer Stausee regelmässig zu beobachten.

Die Familie der Reiher ist weltweit verbreitet und hervorragend an das Leben in Feuchtgebieten angepasst. Bei uns halten sich Reiher vor allem an den Ufern von Seen, Flüssen und Teichen auf und haben sich hauptsächlich auf den Fang von Fischen, Amphibien und anderen Wassertieren spezialisiert. Alle heimischen Reiher lassen sich zudem gut an ihrer Flugsilhouette erkennen: Im Gegensatz zu Störchen oder Kranichen ziehen sie im Flug den Hals s-förmig ein.

Der Graureiher (Ardea cinerea) ist mit einer Körpergrösse von rund einem Meter der grösste und häufigste heimische Reiher. Er fällt durch seinen schlanken Körper, die langen Beine und den langen Hals auf. Die Oberseite ist grau, Unterseite und Kopfseiten sind weisslich. Auffällig sind zudem die verlängerten schwarzen Scheitelfedern. Der Graureiher kann das ganze Jahr über an Gewässern, aber auch auf Wiesen und Äckern bei der Nahrungssuche beobachtet werden. Die rund 2'000 bis 3'000 Brutpaare der Schweiz brüten meist auf hohen Laubbäumen in Gewässernähe, teilweise aber auch in ausgedehnten Schilfbeständen. Der Silberreiher (Ardea alba) ist etwa gleich gross wie der Graureiher, jedoch vollständig weiss gefärbt. Während der Brutzeit verfärbt sich sein Schnabel fast vollständig schwarz, ausserhalb dieser Zeit ist er gelb. Seit der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts kann der Silberreiher bei uns vor allem während des Frühjahrs- und Herbstzugs sowie als Wintergast regelmässig beobachtet werden. Vereinzelt lässt er sich jedoch bereits jetzt am Klingnauer Stausee beobachten. Bruten in der Schweiz sind bis heute seltene Einzelfälle geblieben. Auch einige Seidenreiher (Egretta garzetta) halten sich derzeit im Flachwasser und entlang des Schilfgürtels auf. Er ähnelt dem Silberreiher sehr, ist mit rund 65 Zentimetern Körpergrösse jedoch deutlich kleiner. Zudem ist sein Schnabel durchgehend. schwarz. Wie die meisten anderen Reiherarten ist auch der Seidenreiher häufig in kleinen Trupps anzutreffen. 

Wesentlich seltener und deutlich schwieriger zu beobachten sind die Dommeln. Sie leben als Einzelgänger verborgen in grossen Schilfbeständen und sind dank ihres braun gestreiften Gefieders hervorragend getarnt. Die Zwergdommel (Ixobrychus minutus) ist ein heimischer Brutvogel und mit rund 38 Zentimetern die kleinste europäische Reiherart. Das Männchen ist deutlich kontrastreicher gefärbt als das Weibchen: Während seine Oberseite schwarz ist, ist die Oberseite des Weibchens dunkelbraun.
Die grössere Rohrdommel (Botaurus stellaris) ist am Klingnauer Stausee als Wintergast anzutreffen. Zurzeit hält sie sich in ihren Brutgebieten in Osteuropa auf. Ihr braun-schwarz gestreiftes Gefieder tarnt sie perfekt im Schilf. Bei Gefahr nimmt sie die sogenannte Pfahlstellung ein: Sie streckt Hals und Schnabel senkrecht nach oben und verschmilzt so nahezu mit ihrer Umgebung.

Zwergdommel mit Fisch.   Seidenreiher im Flug.Zwergdommel mit Fisch. Foto: Beat Rüegger.                   Seidenreiher im Flug. Foto: Beat Rüegger.

Daneben können am Klingnauer Stausee während des Frühjahrs- und Herbstzugs Nachtreiher sowie seltene Durchzügler wie Kuh-, Rallen- und Purpurreiher beobachtet werden.

Comeback der Reiher

Bis Mitte des 20. Jahrhunderts gingen die Bestände vieler europäischer Reiherarten durch die Jagd auf ihre Schmuckfedern für die Damenmode sowie durch die Trockenlegung von Feuchtgebieten stark zurück. Mit dem Schutz der Reiher und der Schaffung grosser, weitgehend ungestörter Feuchtgebiete erholten sich die Bestände vielerorts wieder. Besonders in der Camargue und der Poebene entstanden durch den Reisanbau ausgedehnte flache Überschwemmungsflächen mit einem reichhaltigen Nahrungsangebot. Diese Gebiete zählen heute zu den wichtigsten Brut- und Rastgebieten vieler Reiherarten und tragen wesentlich zur Erholung ihrer Bestände bei.

Für grosse Reiherkolonien bietet die Schweiz jedoch nur wenige geeignete Lebensräume, da es hier kaum ausgedehnte und störungsarme Feuchtgebiete gibt. Die zunehmende Zahl an Durchzüglern und Wintergästen am Klingnauer Stausee ist deshalb vor allem auf die Erholung der Reiherbestände in den umliegenden Ländern zurückzuführen.