Eisvogelpaarung.

Voller Einsatz für den Nachwuchs

13.08.2026

Ein kurzer Pfiff reicht, um dem Partner zu signalisieren: «Bin da!». Sobald die Eisvögel brüten, werden sie «heimlich», um ihr Nest nicht zu verraten. Im Vergleich zu vielen anderen Vögeln brüten Eisvögel zwei- bis dreimal pro Jahr. Nicht nur ihr Brutverhalten, sondern auch ihr Balz- und Fütterungsverhalten ist bemerkenswert.

Mit seiner leuchtend blauen Oberseite und der rostorangen Unterseite ist der Eisvogel (Alcedo atthis) einer der auffälligsten Vögel Europas. Er besitzt einen kräftigen, dolchartigen Schnabel, mit dem er seine Beute gekonnt packt. Anhand der Schnabelfarbe lassen sich die Geschlechter unterscheiden: Das Männchen hat einen vollständig schwarzen Schnabel, während das Weibchen einen orangefarbenen Unterschnabel besitzt. Trotz seiner auffälligen Färbung bleibt der Eisvogel im Schattenspiel der Vegetation über dem Wasser oft unentdeckt. Meist verrät ihn sein hoher, scharfer «Zjii»-Ruf, gefolgt von einem kurzen Aufblitzen des leuchtend blauen Rückens über dem Wasser.

Der Eisvogel kommt das ganze Jahr über in der Schweiz an langsam fliessenden oder stehenden, fischreichen Gewässern vor. Hier jagt er von einem Ast oder Schilfhalm aus. Von seiner Sitzwarte aus lauert er auf Beute im Wasser und taucht dann blitzschnell hinab, um sie zu packen. Dabei fängt er 15 bis 25 Fische pro Tag. Anschliessend schlägt er den Fisch mehrmals gegen einen Ast, um ihn zu betäuben, bevor er ihn mit dem Kopf voran verschluckt. Neben Fischen frisst er auch Libellenlarven und Amphibien. 

Im Februar und März gehen die Eisvögel auf Partnersuche. Neben auffälligen Rufreihen und wilden Verfolgungsjagden lässt sich dabei häufig beobachten, wie das Männchen dem Weibchen einen Fisch als Brautgeschenk überreicht. Hat sich ein Paar gefunden, graben beide gemeinsam eine bis zu 90 Zentimeter lange Brutröhre in ein Steilufer. Solche Steilhänge, sogenannte Prallhänge, entstehen natürlicherweise an Bächen und Flüssen durch Strömung und Hochwasser. In der Nisthöhle legt das Weibchen fünf bis sieben Eier, aus denen nach etwa drei Wochen die Jungen schlüpfen. Diese werden drei bis vier Wochen von den Eltern gefüttert, bevor sie ausfliegen. Dabei geht es erstaunlich gerecht zu: Hat der vorderste Jungvogel Futter erhalten, wandert er nach hinten und macht Platz für den nächsten. Beim Ausfliegen sind die Jungvögel bereits so gross wie die Altvögel, unterscheiden sich aber durch ihre schwarzen Füsse und die noch schmutzig wirkende Brust.

Fischübergabe zwischen Männchen und Weibchen   Drei Jungvögel mit AdultvogelEisvogel mit Brautgeschenk. Foto: Jean-Pierre Bachmann.     Jungvögel mit Adultvogel. Foto: Carola Lambrecht

Zwischen März und September brüten Eisvögel zwei- bis dreimal. Zwei Bruten sind die Regel, eine dritte Brut ist häufig eine sogenannte Schachtelbrut: Während das Männchen die Jungen der zweiten Brut noch bis zum Ausfliegen füttert, brütet das Weibchen bereits das nächste Gelege aus. So können Eisvögel besonders viele Jungvögel aufziehen und Verluste durch Hochwasser oder harte Winter ausgleichen.

Brutplatzangebot limitiert

Die meisten grossen Flüsse sind heute kanalisiert, ihre Ufer bebaut und viele Feuchtgebiete trockengelegt. Eisvögel müssen deshalb auf kleinere Prallhänge oder Wurzelteller umgefallener Bäume ausweichen. Dort ist die Gefahr jedoch grösser, dass eine Brut durch Hochwasser oder Fressfeinde wie den Fuchs verloren geht.
Auf unserem Erlebnispfad haben wir deshalb eine künstliche Eisvogel-Brutwand installiert. Seit sechs Jahren brüten hier Eisvögel erfolgreich. Am 26. Juli sind drei Jungvögel der zweiten Brut ausgeflogen. Ob das Paar noch eine dritte Brut beginnt, ist derzeit offen. Insgesamt gibt es in der Schweiz schätzungsweise 400 bis 600 Brutpaare.

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