Der Vogelzug ist ein bekanntes und spannendes Phänomen. Besonders gut sind dabei ziehende Greifvögel zu beobachten: Zum Einen wegen ihrer Grösse, zum Anderen wegen ihrer Vorliebe für bestimmte Zugrouten.
Dass Störche und Schwalben im Herbst Richtung Afrika ziehen, lernt man meist schon im Kindesalter. Weniger bekannt ist, dass auch Greifvögel in den Süden ziehen. Der Herbstzug der Greifvögel beginnt bereits Mitte August und kommt erst Ende Mai des nächsten Jahres zum Stillstand. Zunächst ziehen Arten wie der Wespenbussard, Baumfalke und der Schwarzmilan. Sie überwintern südlich der Sahara und müssen deshalb lange Strecken zurücklegen. Im Oktober und November folgen Kurzstreckenzieher wie Sperber, Rotmilan oder Mäusebussard. Bei uns brütende Vögel überwintern nämlich im Mittelmeerraum, während Vögel aus Nordeuropa in unseren Breiten überwintern. Aber sogar im Winter kommt der Vogelzug nicht ganz zum Erliegen: Bei starken Wintereinbrüchen kommt es zur sogenannten Schneeflucht. Wegen Nahrungsmangel weichen die Greifvögel noch weiter Richtung Süden oder aus höheren Lagen in tiefer liegende Regionen aus. Ab Ende Februar beginnt schliesslich der Rückzug der Greifvögel in ihre Brutgebiete.
Auf Thermik angewiesen
Um auf dem Zug nicht zu viel Energie zu verbrauchen, benötigen Greifvögel warme Aufwinde. Diese sogenannte Thermik entsteht nur über Land und oft an Hängen. Deshalb ziehen Greifvögel gerne entlang von Mittelgebirgen wie dem Jura und vermeiden grosse Wasserflächen. Das Mittelmeer überqueren fast alle europäischen Greifvögel über die Meerenge von Gibraltar oder den Bosporus. Entlang dieser Zugkorridore sammeln sich die ziehenden Greifvögel entsprechend in grösseren Gruppen.
Greifvögel am Klingnauer Stausee
Da sich Greifvögel auf dem Zug gerne an Strukturen wie Flüssen orientieren, findet man auch über dem Klingnauer Stausee viele ziehende Greifvögel. Mit etwas Glück kann man aktuell zum Beispiel den Wespenbussard entdecken. Dieser unterscheidet sich vom Mäusebussard durch den etwas längeren Schwanz mit drei ausgeprägten Binden und einer fein gebänderten Unterseite. Der Mäusebussard hat hingegen nur eine Schwanzbinde und einen hellen Ring auf der Brust. Zudem wirkt der Wespenbussard insgesamt schlanker.
Der Klingnauer Stausee ist aber nicht nur eine gute Leitstruktur, sondern auch ein wichtiges Rastgebiet. Vor allem seltenere Arten wie Rohrweihe und Fischadler können immer wieder über dem Stausee jagend beobachten werden. Beide Arten sind aufgrund ihrer Nahrung, vor allem Amphibien respektive Fisch, an das Wasser gebunden. Vom Aussichtsturm beim Naturzentrum hat man zudem eine unversperrte Aussicht auf den Horizont und kann so die vorbeiziehenden Greifvögel erspähen.
