Wer in diesen Tagen bei einem Efeu stehen bleibt, wähnt sich in einem Bienenstock: Es summt und brummt rundherum! Dass er von Insekten derart umschwärmt wird, ist seinem besonderen Jahreszyklus geschuldet.
Der Gemeine Efeu (Hedera helix) ist eine mehrjährige und immergrüne Kletterpflanze. Im ersten Lebensabschnitt entwickelt sich der Efeu als krautige Pflanze und bedeckt oft grosse Flächen auf dem Waldboden. Erreicht er einen Baum oder eine Mauer, kann er an diesen haften und emporklettern. Als einzige in Mitteleuropa heimische Pflanze klettert er mithilfe von Haftwurzeln. Deshalb ist er ein sogenannter Wurzelkletterer. Auf diese Weise erklimmt der Efeu Höhen von 20 bis 30 Metern und wird zu einem grossen Gebilde mit einem dicken Stamm.
Der Jahreszyklus des Efeus unterscheidet sich stark von den meisten anderen Pflanzen. Nicht nur, weil er immergrün ist, sondern vor allem, weil er erst im Herbst blüht. Die Blütezeit beginnt im September und dauert bis in den November hinein. Seine schwarzen Früchte werden entsprechend erst zwischen Januar und April reif. Auch konzentriert sich der Laubabfall des Efeus auf das Frühjahr und nicht, wie bei den meisten anderen Pflanzen, auf den Herbst.
Durch seine späte Blütezeit ist der Efeu eine extrem wichtige Nahrungspflanze. Im Herbst leiden viele Insekten an Nahrungsmangel, da kaum noch Pflanzen blühen und somit Nektar oder Pollen liefern. Umso beliebter ist der Efeu: Bliebt man darunter stehen, hört man das kräftige Brummen. Schmetterlinge, Bienen und viele andere Tiere nutzen jetzt den Efeu als Nahrungsquelle. Die Efeu-Seidenbiene hat sich sogar vollständig auf Nektar und Pollen des Efeus spezialisiert. Sie ist deshalb eine der am spätesten fliegenden Wildbienen Mitteleuropas. Auch die Früchte werden später reif als bei vielen anderen Pflanzen und dienen deshalb den überwinternden Singvögeln als wichtige Nahrungsquellen, wenn im Spätwinter andere Nahrungsquellen langsam zur Neige gehen.
Ein Schädling?
Oft wird der Efeu als Schädling bezeichnet, welcher seine Stützbäume auf verschiedenen Wegen schwächt oder sogar umbringt. Tatsächlich kann der Efeu kleinere oder bereits kranke Bäume und Sträucher durch Überwuchern zum Absterben bringen. Für grössere, gesunde Bäume ist der Efeu allerdings nicht schädlich, ganz im Gegenteil: Efeu am Stamm eines Baumes ist ein guter Sonnenschutz und der Laubfall im Frühling hilft dem Wirtsbaum zusätzlich. Entgegen einer weit verbreiteten Meinung ist der Efeu nämlich kein Schmarotzer, sondern nutzt den Baum lediglich als Kletterhilfe.
