Aktuell machen zahlreiche Limikolen, auch Watvögel genannt, Rast am Klingnauer Stausee. Der Grossteil von ihnen befindet sich auf dem Frühjahrszug in ihre Brutgebiete in Mittel-, Nord- und Osteuropa. Dabei lassen sich die Vögel gut beobachten, wie sie mit ihren langen Beinen durchs flache Wasser waten und mit ihren Schnäbeln nach Wasserinsekten, Krebstieren und Würmern stochern.
Zu den Limikolen, die bei uns regelmässig beobachtet werden können, zählen unter anderem der Rotschenkel (Tringa totanus), der Grosse Brachvogel (Numenius arquata) und der Kampfläufer (Calidris pugnax). In ihrem Zugverhalten unterscheiden sie sich teilweise aber deutlich.
Der Grosse Brachvogel kann bei uns fast ganzjährig beobachtet werden. Er ist ein graubraun gefleckter Watvogel, der durch seinen langen, gebogenen Schnabel auffällt. Einige Grosse Brachvögel überwintern bei uns, viele ziehen jedoch bis nach Spanien. Somit gehört er zu den Kurzstreckenziehern. Grosse Brachvögel ziehen nachts in kleinen Gruppen oder Schwärmen Richtung Mittel-, Nord- und Osteuropa, um dort zu brüten. Sein Nest baut er am Boden in flachen Mulden, meist in offenen Feuchtwiesen, Mooren oder ungestörten Wiesen mit niedriger Vegetation. In der Schweiz ist er als Brutvogel vor allem aufgrund von Lebensraumverlust und Störung ausgestorben.
Ein weiterer regelmäßiger Gast ist der Rotschenkel. Wie sein Name bereits verrät, hat er leuchtend rote Beine sowie einen dunklen Schnabel mit roter Basis. Er überwintert im Mittelmeerraum oder in Zentral- und Westafrika und zählt damit zu den Kurz- bis Langstreckenziehern. Der Zug erfolgt überwiegend nachts und in kleinen Gruppen. So kann er den tagaktiven Feinden aus dem Weg gehen und tagsüber die Energiereserven wieder auffüllen. Rotschenkel brüten in Nord- und Osteuropa in Feuchtwiesen und Sümpfen, gut versteckt in kleinen Mulden am Boden.
Der Kampfläufer ist ebenfalls ein regelmässiger Durchzügler. Er fällt besonders durch seinen geschuppt wirkenden Rücken mit hellen Federrändern auf. Er ist überwiegend Langstreckenzieher, der vor allem in Afrika südlich der Sahara überwintert. Kampfläufer ziehen sowohl tagsüber als auch nachts in kleinen Gruppen. Ihre Brutgebiete liegen in Nord- und Osteuropa, insbesondere in den arktischen Tundragebieten sowie in Feuchtgebieten Skandinaviens und Russlands. Dort brüten sie am Boden in grasgepolsterten Mulden, die gut versteckt in der Vegetation am Rand von Sümpfen liegen.
Fliegender Grosser Brachvogel. Foto: Beat Rüegger Kampfläufer-Männchen im Prachtkleid. Foto: Michael Gysel.
Prachtkleid erst im Brutgebiet deutlich erkennbar
Während der Grosse Brachvogel das ganze Jahr über ein ähnliches Erscheinungsbild zeigt, unterscheiden sich viele Limikolen deutlich zwischen Schlicht- und Prachtkleid. Rotschenkel sind im Schlichtkleid auf Ober- und Unterseite eher einfarbig braungrau und weisen kaum Flecken auf der Unterseite auf. Im Prachtkleid hingegen zeigen sowohl Männchen als auch Weibchen am weissen Bauch dunkle Flecken. Besonders auffällig ist jedoch das Männchen des Kampfläufers: Es trägt im Prachtkleid eine spektakuläre Halskrause in sehr unterschiedlichen Farben: von Weiss über Gelb und Rot bis Schwarz. Innerhalb einer Gruppe gleicht kaum ein Männchen dem anderen. Die Weibchen des Kampfläufers zeigen hingegen nur geringe saisonale Unterschiede und bleiben meist unscheinbar. Das Prachtkleid ist jedoch nur wenige Wochen im Jahr in der Nähe der Brutplätze ausgebildet. Den Rest des Jahres tragen die Vögel das unauffällige Schlichtkleid.
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