Knapp 20% der in der Schweiz vorkommenden Pflanzen ist nicht einheimisch. Nur ein kleiner Teil davon sind invasive Neophyten, die die einheimischen Arten bedrohen. Ihre Bekämpfung ist aufwändig, aber wichtig für die Biodiversität.
In der Schweiz gibt es rund 4000 Arten von Wildpflanzen. Davon sind rund 750 Arten oder 19% nicht einheimisch, sondern wurden nach 1500 eingeführt. Diese eingeführte Arten werden als Neophyten bezeichnet. Die meisten Neophyten stellen kein Problem dar. Es gibt jedoch einige Arten, die sich schnell und zum Nachteil der einheimischen Arten ausbreiten. Dies sind die sogenannt invasiven Neophyten. Ihr Schadpotenzial wird nicht nur im Bezug auf die einheimische Flora und Fauna, sondern auch im Bezug auf den Menschen beurteilt. Invasive Arten mit einem hohen Schadpotenzial sind auf der Schwarzen Liste aufgeführt. Arten, die unter Beobachtung stehen, sind hingegen auf der sogenannten Watch List. Die Listen umfassen auch Arten, die in der Schweiz noch nicht vorkommen, aber ein sehr hohes Schadenspotenzial aufweisen. Arten der Schwarzen Liste müssen grundsätzlich bekämpft werden.
Schön anzusehendes Ärgernis
Das Einjährige Berufkraut (Erigeron annuus) ist eine der Arten auf der Schwarzen Liste. Es ist etwa 30–150 cm hoch und hat dünne, weiße Zungenblüten und gelbe Röhrenblüten. Die Blütenköpfe wachsen in einer doldigen Rispe und erinnern an Gänseblümchen. Die Blätter am Stängel sind lanzettlich, gezähnt und behaart. In Bodennähe sind sie langstielig, dichter behaart, gezähnt und verkehrt eiförmig. Man findet das Einjährige Berufkraut zum Beispiel am Uferweg, auf unserem Erlebnispfad und im Weerd-Fischergrien.
Auf dem Erlebnispfad und im Weerd-Fischergrien jäten wir das Einjährige Berufkraut mit der Unterstützung von Freiwilligen und Firmen regelmäßig. Für den Unterhalt des Damms ist hingegen die Axpo als Betreiberin des Kraftwerks Klingnau zuständig. Sie bekämpfen Neophyten ebenfalls nach ihren Möglichkeiten. Das Berufkraut sollte bekämpft werden, bevor es Samen bildet, sonst breitet es sich massiv aus. Zudem sollte die Pflanze möglichst mitsamt der Wurzel entfernt werden, sonst treibt sie einfach wieder aus. Leider ist die junge Pflanze nicht leicht zu erkennen. Wenn die Pflanze erst ausgerupft wird, wenn sie bereits blüht, darf sie jedoch nicht mehr in der Grünabfuhr oder auf dem Komposthaufen entsorgt werden. Dadurch würde sie sich nur weiter ausbreiten. Deshalb muss sie mit dem Kehricht entsorgt werden. Immer mehr Gemeinden wie Böttstein stellen dafür gratis Neophytensäcke oder Neophytencontainer zur Verfügung.
Ein zäher Baum
Eine weitere an vielen Standorten vorkommende Art der Schwarzen Liste ist die Gewöhnliche Robinie oder Falsche Akazie (Robinia pseudoacacia). Sie ist ein bis zu 25 m hoher Baum mit Dornen und unpaarig gefiederten Blättern. Die Teilblätter sind ganzrandig und 2–5 cm lang. Die Robinie produziert weiße Blüten, die in Trauben hängen und ihre Samen können mehr als zehn Jahre lang lebensfähig bleiben. Ihre Bekämpfung ist wichtig, da sie offene und nährstoffarme Standorte schnell überwuchert und den Boden mit Nährstoffen anreichern. Durch diese Anreicherung verdrängt sie einheimische Pflanzen, die offene und nährstoffarme Lebensräume benötigen.
Die Robinie verbreitet sich durch Samen und Wurzelschösslinge. Das Abschneiden ist deshalb keine sinnvolle Maßnahme, denn sie treibt einfach wieder aus und produziert noch mehr Dornen. Robinien sollten deshalb geringelt werden. Dabei werden rund 90% der Rinde am Stamm auf einer Breite von miindestens 15 cm entfernt. Dies sollte im Februar geschehen, damit der Baum keine Reserven bilden kann. Im folgenden Jahr wird der gesamte Stammumfang entrindet, nachdem im Juni die ersten Blätter und Blüten erschienen sind. Wenn möglich, sollten alle Robinien in einem Gebiet gleichzeitig geringelt werden, da Nährstoffe zwischen den Bäumen ausgetauscht werden können. Das Ergebnis wird nach einem weiteren Jahr kontrolliert.
Auf dem Erlebnispfad konnten wir viele Robinien mit dem Ringeln entfernen. Auch Berufkraut kommt bei uns nur noch vereinzelt vor. Eine grossflächige Bekämpfung ist jedoch enorm aufwändig und deshalb oft nicht umsetzbar. Oft konzentriert sich die Bekämpfung deshalb auf wichtige Naturschutzgebiete und frisch renaturierte Flächen. Am Klingnauer Stausee werden deshalb invasive Neophyten in den Riedwiesen des Gippiger Griens bekämpft und rund um die Amphibienweiher im Weerd. Am Aareufer werden sie hingegen nicht gezielt bekämpft, da über das Wasser laufend neue Samen eingeschwemmt werden.