Die Singvögel beginnen wieder zu singen! Morgens ertönen ihre Gesänge schon fast wieder in voller Pracht. In den Wintermonaten hingegen war dieses musikalische Naturschauspiel kaum zu geniessen, obwohl viele Arten den Winter in der Schweiz verbringen.
Ein Teil der Rotkehlchen, Amseln, Kohlmeisen und Zaunkönige sind sogenannte Standvögel. Das heisst, sie überwintern in der Schweiz und sind somit auch in den kältesten Wintermonaten noch da. Zudem ziehen auch Vögel aus dem Norden in die Schweiz, um hier zu überwintern. Trotz der vielen überwinternden Vögel hört man im Winter nur das eine oder andere Gezwitscher. Das tägliche Vogelkonzert in der Morgendämmerung beginnt erst wieder im März. Eine Ausnahme bildet das Rotkehlchen (Erithacus rubeluca): Sowohl Männchen wie Weibchen singen auch im Winter, um ihre Nahrungsreviere zu verteidigen.
Die Wissenschaft hinter dem Vogelkonzert
Die Gesangsaktivität der Vögel wird durch die zunehmende Tageslänge angeregt. Sobald die Tage wieder länger und heller werden, wird im Gehirn ein Hormon ausgeschüttet, das bei männlichen Vögeln zu einer erhöhten Testosteronproduktion führt. Das Testosteron hat einen direkten Einfluss auf das Gesangszentrum im Gehirn: Es animiert die Männchen zum Singen, um ihr Revier zu verteidigen und eine Partnerin anzulocken. Nach der Brutzeit nimmt das Testosteron wieder ab und die Vögel verstummen. Bereits im Juni wird der morgendliche Gesang wieder leiser.
Dass die Vögel vor allem frühmorgens kurz vor Sonnenaufgang singen, hat ebenfalls einen wissenschaftlich belegten Grund: Weil es morgens weniger Wind und Lärm gibt, können sich die Schallwellen besser ausbreiten. Bedeutet, dass der Gesang der Vögel besser und weiter zu hören ist.
Die ersten Rückkehrer
Nicht nur die Standvögel, die hier überwintert haben, singen jetzt wieder. Auch viele Zugvögel kehren jetzt nach und nach aus dem wärmeren Süden in ihre Brutgebiete zurück. Rückkehrer wie Zilpzalp, Singdrossel und Mönchsgrasmücke sind bereits wieder da. Der Zilpzalp (Phylloscopus collybita) hat einen unverwechselbaren Gesang, der ihm auch seinen Namen gegeben hat. Der beste Versuch einer Übersetzung wäre: «zilp-zalp, zilp-zalp». Der Gesang der Mönchsgrasmücke (Sylvia atricapilla) ist schwerer zu identifizieren, da er plaudernd ist. Häufig endet er mit «dida-dida». Die Singdrossel (Turdus philomelos) ist hingegen meist daran zu erkennen, dass sie die gleiche Strophe stets drei Mal wiederholt.
Mönchsgrasmücke Zilpzalp
Wer die einzelnen Gesänge aus dem morgendlichen Konzert besser unterscheiden und erkennen möchte, sollte unbedingt die Ausstellung «Singen wie die Vögel» besuchen. Zum Üben der Gesänge bietet sich auch die Webseite bird-song.ch an mit vielen Übungen auf ganz unterschiedlichen Niveaus. Aber auch ohne eine detaillierte Artenkenntnis lohnt es sich, auf dem Weg zur Arbeit oder zur Schule aufmerksam zu sein und den Gesängen der Vögel zu lauschen – und sie einfach zu geniessen.
> Hier gehts zu unserer Sonderausstellung über Vogelgesang
> Zu den Übungen auf bird-song.ch