Höckerschwan im Nest.

Nachwuchs auf dem Wasser

03.06.2026

Einige Vogelfamilien können derzeit vom Uferweg und vom Aussichtsturm aus am Klingnauer Stausee beobachtet werden. Dazu gehören beispielsweise der Höckerschwan und das Blässhuhn. Die Küken beider Vogelarten zählen zu den sogenannten Nestflüchtern. Das bedeutet, dass sie bereits kurz nach dem Schlüpfen das Nest verlassen und ihren Eltern folgen.

Höckerschwäne (Cygnus olor) gehen eine lebenslange Paarbindung ein. Im Frühling bauen die Partner gemeinsam ein Nest aus Ästen, Schilf und Rohr, meist nahe am Wasser oder im flachen Uferbereich. Das Nistmaterial wird gleichmässig nach allen Seiten aufgeschichtet, wodurch ein grosser, runder Nestbau entsteht. Ein Nest, in dem bereits erfolgreich gebrütet wurde, wird oft über mehrere Jahre hinweg wiederverwendet. Das Weibchen legt fünf bis acht Eier, die etwa 10 bis 12 Zentimeter lang und rund 7,5 Zentimeter breit sind. Während das Weibchen die Eier überwiegend bebrütet, hält sich das Männchen in unmittelbarer Nähe auf und verteidigt das Revier gegen Artgenossen, Menschen oder Hunde. Besonders während der Brutzeit reagieren Höckerschwan-Männchen sehr territorial: Sie zischen und fauchen laut und schlagen nicht selten mit ihren kräftigen Flügeln, um Eindringlinge zu vertreiben.

Nach etwa fünf Wochen schlüpfen die Jungen. Mithilfe ihres Kükenzahns ritzen sie die Schale von innen auf. Die Küken tragen ein flauschiges, silbergraues Daunenkleid. Bereits nach wenigen Tagen schwimmen sie ihren Eltern hinterher. Häufig werden sie aber auch – insbesondere vom Weibchen – zwischen den Flügeln auf dem Rücken getragen. Dies schützt die Jungvögel vor Kälte und vor Fressfeinden wie grossen Hechten. Das Nest wird auch nach dem Schlüpfen noch regelmässig aufgesucht, vor allem nachts. Dort wärmen sich die Küken unter dem Gefieder der Mutter und profitieren von dessen Fettung. Diese wird auf ihr eigenes Dunenkleid übertragen und schützt die Jungvögel vor Nässe, Kälte und Überhitzung. Beide Eltern kümmern sich während vier bis fünf Monaten intensiv um ihren Nachwuchs. Erst danach werden die jungen Höckerschwäne selbstständig und lernen fliegen.

Höckerschwan mit seinen zwei Küken.   Zwei Blässhuhn-Küken im Nest.Höckerschwan mit zwei Küken. Foto: Christoph Roth.     Zwei Blässhuhn-Küken im Nest. Foto: Michael Gerber

Auch Blässhuhn-Paare (Fulica atra) bauen ihre Nester nahe am Wasser, meist gut versteckt in dichter Ufervegetation. Nach einer Brutdauer von rund drei Wochen schlüpfen vier bis zwölf Küken, die sofort schwimmen können. Anfangs besitzen sie ein grauschwarzes Dunenkleid und einen auffällig rötlichen Kopf. Später werden sie zunehmend dunkler und sind beinahe schwarz gefärbt, während die Brust heller bleibt. Der für die Art typische weisse Stirnschild ist bei den Jungvögeln zunächst noch nicht ausgebildet. Wie bei den Höckerschwänen verteidigen beide Eltern ihr Nest und später auch ihre Jungen energisch gegen mögliche Gefahren.

Die Brut- und Aufzuchtzeit ist ein besonders sensibles Zeitfenster im Lebenszyklus der Vögel. Störungen durch Menschen oder freilaufende Hunde können dazu führen, dass Gelege aufgegeben werden oder Jungvögel verloren gehen. Wir appellieren deshalb an alle Besucherinnen und Besucher, die Wege im Naturschutzgebiet nicht zu verlassen und Hunde stets an der Leine zu führen – die Vogeleltern werden es euch danken.

> Mehr Infos zum Höckerschwan und seinem Nestbau
> Mehr Infos zum Blässhuhn