Feuerlibelle auf Ast.

Schillernde Luftakrobaten

17.06.2026

An warmen Sommertagen gehören Libellen zu den auffälligsten Insekten an Gewässern. Mit ihren schillernden Farben, den grossen Augen und ihren beeindruckenden Flugkünsten faszinieren sie Naturbeobachtende jeden Alters. Aktuell lassen sich an unseren Teichen auf dem Erlebnispfad einige Libellenarten wie die Hufeisen-Azurjungfer und die Feuerlibelle beobachten.

In der Schweiz sind rund 80 Libellenarten heimisch, davon können 41 Arten am Klingnauer Stausee und in den umliegenden Auengebieten nachgewiesen werden. Diese hohe Artenvielfalt ist auf die grosse Auswahl unterschiedlicher Gewässertypen zurückzuführen. Jede Libellenart stellt eigene Ansprüche an Standort, Vegetation und Gewässer. 

Obwohl die erwachsenen Tiere vor allem in den Sommermonaten auffallen, verbringen Libellen den grössten Teil ihres Lebens unter Wasser. Nach der Paarung legen die Weibchen ihre Eier direkt ins Wasser oder an Wasserpflanzen ab. Daraus schlüpfen Larven, die je nach Art wenige Monate bis fünf Jahre im Wasser leben. Im Gegensatz zu den farbenprächtigen erwachsenen Tieren sind die Larven meist braun bis leicht grünlich gefärbt und dadurch gut getarnt. Auch als Larven sind Libellen geschickte Räuber. Sie ernähren sich von kleinen Wassertieren, Kaulquappen oder sogar Jungfischen. Oft lauern sie gut versteckt auf ihre ahnungslose Beute. Nähert sich ein geeignetes Opfer, schiesst eine spezielle Fangmaske blitzschnell nach vorne und packt die Beute.

Während ihres Wachstums häuten sich die Larven je nach Art sieben bis fünfzehn Mal. Im letzten Larvenstadium verlassen sie das Wasser und klettern an Schilfhalmen oder anderen Strukturen empor. Dort erfolgt die letzte Häutung: Aus der Larvenhaut schlüpft das erwachsene Tier, das sogenannte Imago. Anfangs sind Körper und Flügel noch weich und blass. Die Flügel werden mit der Hämolymphe, dem «Blut» der Insekten, entfaltet und benötigen einige Stunden zum Aushärten. Nach und nach entwickelt sich auch die typische Körperfärbung. Dies ist der gefährlichste Moment im Leben einer Libelle, da sie hilflos dem Appetit von Vögeln, Fröschen oder anderen Insektenfressern ausgesetzt ist. Auf ihrem Jungfernflug entfernen sich die noch geschlechtsunreifen Libellen vom Gewässer, um nach Nahrung zu suchen. Es werden allerlei Fluginsekten wie Mücken, Schmetterlinge oder Wespen geschickt im Flug gefangen.

Nach der Reifungsphase kehren sie zur Fortpflanzung ans Gewässer zurück. Beim Paarungsrad packt das Männchen seine Partnerin mit seinem Hinterleibsanhängen am Nacken und das Weibchen krümmt seinen Körper, sodass es das Samenpaket beim Begattungsorgan abholen kann. Nach der Paarung legt das Weibchen alleine oder im Tandem die Eier ab und der Lebenszyklus beginnt von Neuem.

Hufeisen-Azurjungfer im Paarungsrad.   Exuvie einer Grosslibelle.Hufeisen-Azurjungfern im Paarungsrad.                           Exuvie einer Grosslibelle.

Klein- und Grosslibellen

Das Leben als Imago dauert nur wenige Wochen bis zwei Monate. Die Flugzeit der Libellen wird durch ihren Lebenszyklus bestimmt. Da sich die Larven je nach Art unterschiedlich lange entwickeln, erscheinen manche Arten bereits im Frühling, andere hingegen erst im Hochsommer oder Frühherbst. Während die Hufeisen-Azurjungfer (Coenagrion puella) bereits seit Anfang Mai auf dem Erlebnispfad unterwegs ist, kann nun auch die Feuerlibelle (Crocothemis erythraea) am Teich beobachtet werden. Beide Arten sind geschickte Flieger und beherrschen abrupte Richtungswechsel, Schweben in der Luft und schnelle Jagdflüge. Unterschiede zeigen sich jedoch in ihrer Flugtechnik und Körperform. Die Hufeisen-Azurjungfer gehört zu den Kleinlibellen, während die Feuerlibelle eine Grosslibelle ist.

Grosslibellen sind kräftiger gebaut und können ihre vier Flügel unabhängig voneinander bewegen. Dadurch wirken ihre Flugmanöver oft kraftvoller und dynamischer. Zudem halten in der Ruhestellung Grosslibellen ihre Flügel seitlich abgespreizt, während Kleinlibellen sie über dem Hinterleib zusammenfalten. Auch in der Augenstellung gibt es deutliche Unterschiede: Bei Grosslibellen berühren sich die grossen Facettenaugen häufig oder liegen sehr nah beieinander, während sie bei Kleinlibellen klar voneinander getrennt sind. Libellen sind nicht nur faszinierende Flugkünstler, sondern auch wichtige Indikatoren für naturnahe und gesunde Gewässer. Bei der Renaturierung des Erlebnispfads wurden verschiedene Gewässertypen geschaffen, die eine grosse Vielfalt an Libellenarten fördern.

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